WOLFSSICHTUNG in Wien

Symbolfoto: paukereks / pixelio.de

Mail von BJM Ing. Leopold Andrä anlässlich der Wolfsichtung in Stammersdorf.

Werte Weidkameraden!

Ihr habt sicher schon von der Wolfssichtung in Stammersdorf gehört oder gelesen (Artikel aus Kurier und Österreich im Anhang), auch im Fernsehen hat man berichtet und auf kurier.at gibt es auch Berichte mit Videos. Wie das ganze ins Rollen gekommen ist, da müsst ihr meinen Bruder direkt fragen.

Eigentlich möchte ich dazu keine Stellungnahme abgeben, denn die Meinungen über den Umgang mit dem Wolf in der Kulturlandschaft sind sehr vielfältig, ja sogar kontroversiell.

Ich bin aber am Rande auch involviert, da die Kurierredaktion in dem Video irrtümlich ein Bild von mir veröffentlicht hat, obwohl ich in der Sache weder mit einem Redakteur noch sonst wem Kontakt hatte.

Auf die Aufforderung das Bild heraus zu nehmen hat man zwar zugesagt es zu tun, aber bis jetzt ist es noch immer online.

Nur eines möchte ich schon dazu sagen, die Aussage „Es nicht zu glauben dass ein Jäger innerhalb von drei Sekunden erkennen kann ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelt“ wird für die Allgemeinheit wohl zutreffen, aber die Sichtung ist ja von einer konkreten Person gemacht worden, nämlich von unserem LJMStv. Georg Andrä.

Deshalb ist es mir, als Bruder, ein Anliegen etwas über Georg zu sagen. Denn an vielen Jägerstammtischen wird es  diverse Diskussionen geben und da sollten auch Jäger die Georg nicht persönlich kennen wissen wie es um die Qualifikation von ihm bestellt ist. 

 

Also wir sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, eigentlich auf zweien, denn von 1965 bis 1968 wohnten wir in Marchegg, ansonsten in Wien-Stammersdorf.

Wir hatten so ziemlich alle Tiere die man sich auf einem Bauernhof vorstellen kann: Rinder (bis zu 25 Stück) Pferde (der Großvater arbeitete noch damit), Schweine, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Enten usw.

Hunde (immer mehrere gleichzeitig) und Katzen natürlich auch. Unsere Großeltern und Eltern waren immer sehr darauf bedacht, dass es den Tieren gut geht, aber Tier ist Tier und Mensch ist Mensch.

Die Großmutter war sehr gläubig und sagte zu uns Kindern immer wieder:“Um ein Tier weint man nicht“, wenn gerade wieder 20 Enten geschlachtet und gerupft wurden.

Der andere Großvater hat auch immer wieder für Nachschub gesorgt, so kamen wir zu Schafen, Eseln (da hatten wir einmal einen Hengst, zwei Stuten und 2 Fohlen, also schon eine Herde).

Da wir von Kindesbeinen auch mit der Jagd zu tun hatten konnte wir auch einen Dachs (den hatte ich am Welttierschutztag sogar in der Schule mit) und einen Fuchs zu unseren Haustieren zählen.

In unsere Zeit in Marchegg fiel das damalige Weltfalknertreffen, das war natürlich super für uns. Hauptsächlich die englische Delegation hat sich bei uns im Gasthaus aufgehalten, die waren auch begeistert, hatten wir doch Turmfalken, Bussard und Kornweihe in diversen Volieren vorzuzeigen. Auch Elstern, Nebelkrähen, Dohlen und Eichelhäher haben wir als Nestlinge von Hand aufgezogen.

Von den  vielen Tauben, Zierfasanen, Truthendeln, Perlhühnern ja sogar Pfauen gar nicht zu reden.

Unser Langhaardackel war berühmt als Bauhund und hat viele Füchse zum Springen gebracht und wenn er scheinträchtig war gleich den Jungdachs mit nach hause genommen.

Im Marchegger Jagdmuseum waren wir Stammgäste, da uns natürlich auch jene Wildarten interessierten die nicht vor der Haustüre anzutreffen waren.

Konrad Lorenz haben wir gelesen und die Sendungen von Otto König geliebt.

Ein Höhepunkt war, dass wir von Oktober bis März ein Hausschwein (der Tierarzt hat ein Ferkel bei uns abgegeben) in der Wohnung hielten, dass alleine wäre schon ein Geschichte.

 

Na und jagdlich, mein Bruder hat bereits mit 16 Jahren die Jagdprüfung gemacht und immer eine fermen Vorstehhund geführt. Und wie es so ist hat uns dann auch die Lust auf Auslandsjagden gepackt. Wir sind über Jahre regelmäßig nach Rumänien auf Hirsch und Sau gefahren. Hatten auch das Weidmannsheil Wölfe zu erlegen und mal einen guten Gams, Auer- und Haselwild, Damhirsche usw.. Sichtungen von Bären, sei es an der Kirrung oder im Trieb beim Sauriegler, waren praktisch an der Tagesordnung.

Im Laufe der Zeit hat es uns dann auch nach Alaska, Sibirien, Afrika (mich bis Neuseeland) verschlagen.

Überall wo es Wölfe gab, haben wir gelernt die Anwesenheit dieser auch am Verhalten des restlichen Wildes zu erkennen, und diese auch zu fährten. (Luchs ist leichter).

 

Ich glaube das reicht, dass wir auch heute noch jagdlich tätig sind brauche ich ja nicht extra zu erwähnen. 

 

Weidmannsheil

BJM Ing. Leopold Andrä